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Am Anfang der Geschichte der Flößerei im Schwäbischen Wald stand ein herzogliches Dekret aus dem Jahre 1715. Damals erließ Herzog Eberhard Ludwig an den herzoglichen Forstmeister von Gaisberg folgendes Dekret: „In Stuttgart und Ludwigsburg würde Holz, viel mehr Holz benötigt. Im Schwäbischen Wald gebe es genügend Holz, deshalb solle dort abgeholzt werden. Und wie das Holz nach Stuttgart gebracht werde, das sei das Problem der Forstleute. Anbieten würde sich ja die Rems.“ Der Grund für den stark steigenden Holzbedarf waren die Schloss-Neubauten (Schloss Solitude, Residenzschloss Ludwigsburg, Lustschloss Favorite, Seeschloss Monrepos). Es begannen die ersten Versuche der Remsflößerei. Die Wälder rechts und links der Rems konnten diesen Bedarf auf Dauer nicht decken. Deshalb ging der Blick der herzoglichen Verwaltung hinauf in den Welzheimer Wald. Es erging unter Herzog Carl Eugen 1744 ein Dekret: „Es müsse ein Stausee errichtet werden. Ihm ginge das Holz zu langsam von den Höhen des Schwäbischen Waldes herunter.“ So beginnt die Geschichte des Ebnisees und die Geschichte der Schlittenwege im Schwäbisch-Fränkischen Wald.[1]

Schlittenwege im Schwäbisch-Fränkischen Wald

Geeignete überörtliche Straßen für den Holztransport existierten noch nicht. Wirtschaftlichster Transportweg war zu dieser Zeit der Wasserweg. Hierfür wurde 1745/46 die Wieslauf (ein rechter Nebenfluss der Rems) durch anstauen des Ebnisees als Schwellsee flößbar gemacht. Jeden Winter konnte so auf der Wieslauf ungefähr sechs Tage lang Holz geflößt werden. Um Holzanlieferung aus einem weiteren Gebiet um den Ebnisee zu ermöglichen, entstanden um diese Zeit sehr viele Schlittenwege im Schwäbischen-Fränkischen Wald. Deren längster war der 26 km lange Schlittenweg vom Nestelberg im Schmiedelfelder Forst oberhalb Sulzbachs am Kocher bis zum Ebnisee. Ähnliche Wege gab es bereits vorher z. B. im Schwarzwald oder im Pfälzerwald. Erstmals erwähnt wird der Schlittenweg vom Gschwender Pfarrer und deutschen Historiker Heinrich Prescher 1789. Im vierten Abschnitt seiner Beschreibung der Reichsgrafschaft Limpurg beschreibt er dies so:

„Das Hallische Bedürfnis [nach Holz] würde auch den Vorrath lange nicht erschöpfen. Es gibt daher über den innländischen starken Verbrauch noch andre Zweige des Holzhandels, mit denen sich der Landmann nützlich beschäftigt.”[2] Eine neue „Aussicht für das Limpurgische Holz-Commerz“ eröffne der „neuangelegte Schlittenweg aus dem Schmidelfelder Forst ins Wirtembergische“.[3] Auf diesem seien „im Winter zwischen 1787 und 88 erstmals […] mehrere hundert Klafter, theils herrschaftliches, theils kirchenräthliches Holz, bis zur Floßstätte fortgeliefert worden“.[4]
„Überhaupt fehlet es zu einem Verkehr mit den Nachbarn an recht brauchbaren Heerstrasen. […] Ein eigner Schlittenweg, der aber ausser der Winterszeit gesperrt ist, ist vom Nestelberg, im Schmidelfelder Forst an, bis zur Floßstätte bey dem Floßsee, ohnweit der Ebne, für herrschaftliches nach Stuttgard bestimmtes Holz angelegt worden. Er läuft nach der Länge eines großen Bergrückens, bald auf, bald abwärts, an die fünf Stunden Wegs oder dritthalb deutsche Meilen fort, nordwärts von Gschwend vorbey, im Steineforst, südwärts von Kirchen-Kirnberg eine ziemliche Anhöhe hinauf, und nordwärts an Kaysersbach vorbey. Unterwegs sind gewisse Stationen gemacht, wo die mit einem Pferd oder zwey Ochsen bespannten leichten, mit Holz befrachteten Schlitten, gegen leere ausgetauscht werden; die leeren gehen so von Station zu Station bis zur Ladstätte, die befrachteten aber mit stets erneuertem Vorspann bis zur Floßstätte. Aufseher haben darauf zu sehen, daß diese Mechanik nicht in Unordnung geräth.“[5]

Transport des Brennholzes

Für die Bewältigung der gesamten Weglänge wurden nur ungefähr fünf Stunden benötigt. Die Schlitten wurden von einem Pferd oder zwei Ochsen gezogen. Unterwegs gab es mehrere Stationen, bei denen volle gegen leere Schlitten getauscht werden konnten. Für die Überwindung von Steilstrecken war ein Vorspann mit zusätzlichen Tieren möglich. Vom 530 m ü. NN gelegenen Ablageplatz aus wurde das Holz auf einer ungefähr 400 m langen „Riese“ zum 60 m tiefer gelegenen Lager- und Stapelplatz zwischen der Gausmannsweiler Sägmühle und dem Ebnisee „gerutscht“, um zu geeigneter Zeit mit dem Stauwasser des Ebnisees in der Wieslauf zur Rems und damit zu den Holzlandeplätzen in Waiblingen und Neckarrems geflößt zu werden. Es ist erstaunlich, dass die Schlitten für den Holztransport ab Nestelberg nur fünf Stunden brauchten, obwohl eine beachtliche Entfernung und ziemliche Höhenunterschiede zu überwinden waren. Die Erbauer haben es verstanden, Gefällstrecken geschickt auszunützen und allzugroße Steigungen zu vermeiden. Jährlich wurden mehr als 4000 Klafter (14.640 Raummeter) Holz geflößt.

Neue Verkehrswege, neue Energieträger

Der Schlittenweg war auf voller Länge 66 Jahre in Betrieb. Der Bau der Remstalbahn brachte 1862 das Aus für die Remstalflößerei. Schon 1861 war das Ende für die Flößerei auf der Wieslauf gekommen. Bis zum Ende der Flößerei wurde nur noch der westliche Teilabschnitt des Schlittenweges ab Kaisersbach genutzt. Um diese Zeit begann der Energieträger Kohle das Holz in seiner Rolle zu verdrängen.

Verlauf des Schlittenweges

Nestelberg–Hohenohl

Der Schlittenweg ist in diesem Abschnitt weder im Gelände noch auf Karten zu erkennen. Beim Bau der durch das Waldgebiets von Sulzbach/Kocher nach Rotenhar am Nordrand der Frickenhofer Höhe führenden K 2635 wurde wohl seine Trasse für die neue überörtliche Verbindungsstraße benutzt. Der Streckenabschnitt Nestelberg – Hohenohl hat eine Länge von ca. 6 km[6] und überwindet einen Höhenunterschied von etwa 70 m (Nestelberg ca. 460 m ü. NN, Hof Hohenohl ca. 530 m ü. NN).

Hohenohl–Waldhaus

Der von Hohenohl an der Straße L 1080 Rotenhar – Gschwend (530 m ü. NN) zum Waldhaus an der B 298 Gschwend – Gaildorf (510 m ü. NN) reichende Streckenabschnitt führt durch den Waldteil „Schlittenrain“ und misst etwa 2,5 km Wegs.[6]Die TK25[7] hat hier an der Trasse die Beschriftung „Schlittenweg“.</ref>

Waldhaus (Steinenforst)–Waldteil Fallenwies

Auf der Strecke von Waldhaus nach Kirchenkirnberg lässt sich der Schlittenweg als einfacher Erdweg weder im Waldteil Weinhalde, noch auf der freien Flur der am Fuße eines langezogenen Nordhanges gelegenen Ortsteile Lämmershof, Gläserhof, Krämersberg und Vögelesreute erkennen. Im Waldstück Weinhalde unmittelbar westlich von Waldhaus wird die ehemalige Trasse wohl von einem oder mehreren der heute bestehenden Verbindungs- und Waldwegen genutzt. Über offene Flur verlief der Schlittenweg vermutlich ohne ausgezeichnete Trasse. Im Waldteil Kirchwäldle unterhalb Leukers, südlich von Kirchenkirnberg, ist der Schlittenweg in Teilstücken wieder deutlich zu erkennen. Er führt von dort den Waldteil „Fallenwies“ hinauf. Die Länge dieser Strecke beträgt 7 km. Höhenangaben für die wichtigsten Punkte: Waldhaus 510 m ü. NN, Vögelesreute 470 m ü. NN, Waldteil Kirchwäldle 475 m ü. NN, Höhe Waldteil Fallenwies 530 m ü. NN, Überquerung der L 1150 beim Waldteil Killengehren 520 m ü. NN.

Waldteil Fallenwies–Königseiche

Unterhalb der L 1150 und der Grenze der Waldabteilungen Fallenwies und Killengehren zweigt der Schlittenweg von dem oben erwähnten Waldsträßchen nach links ab. Hier wird erstmals der Schlittenweg in seiner ursprünglichen Form sehr gut als einfacher, zwei Meter breiter Erdweg sichtbar, der von seinen Erbauern mit großem Einfühlungsvermögen unter bestmöglicher Ausnützung des Geländes geplant und in die Waldlandschaft eingefügt wurde. In eleganten Schwüngen werden Höhen und Taleinschnitte (Klingen) umgangen, um größere Steigungen und Brücken zu vermeiden. Vom Waldteil Fallenwies bis zur Königseiche beträgt die Wegstrecke ungefähr 8 km. Es wird insgesamt eine Steigung von 35 m überwunden. Höhenangaben für die wichtigsten Punkte: Einfahrt Waldsträßchen an L 1150 (Fallenwies und Killengehren) 520 m ü. NN, Fritzenwiesle 505 m ü. NN, Steinhäusle 515 m ü. NN, Waldteil Schlittenweg 525 m ü. NN, Privatwald Kugler 540 m ü. NN, Junger Forst 550 m ü. NN und Königseiche 555 m ü. NN.

Königseiche–Abladeplatz im Waldteil Gläsersteig

Die Königseiche liegt an der L 1150, wo diese von Norden aus dem Wald ins Gausmannsweiler Feld heraustritt. Hier liegt der Scheitelpunkt des Schlittenwegs (555 m ü. NN), hier kreuzt er auch den Limes, zeitweilige Grenze des römischen Weltreiches, von dem keinen Kilometer weiter nördlich im Wald deutliche Spuren erhalten sind. Die Königseiche wurde wohl zu Ehren des Königs Wilhelm I. von Württemberg (1816–1864) gepflanzt und hat ein Alter von mindestens 150 Jahren. An ihr verläuft die Markungsgrenze zwischen Kaisersbach und Welzheim. Von ihr führt der Schlittenweg noch ein kurzes Stück mit leichtem Gefälle westwärts zu dem 500 m entfernten Abladeplatz im Waldteil Gläsersteig. Von diesem aus (530 m ü. NN) wurde das angefahrene Holz auf einer ungefähr 400 m langen „Riese“ zum 60 m tiefer liegenden Lager- und Stapelplatz zwischen der Gausmannsweiler Sägmühle und dem Ebnisee „gerutscht“, um dann zur geeigneten Zeit mit dem Stauwasser des Ebnisees in der Wieslauf zur Rems und zu den Holzlandeplätzen in Waiblingen und Neckarrems geflößt zu werden. Die Lage des Abladeplatzes am Ende des Schlittenwegs und der Verlauf der „Riese“ ist in der von Geometer C. Schaber gefertigten ersten Flurkarte von 1831 (sogenannte Urkarte) deutlich eingezeichnet.

Einzelbelege

  1. Geschichte des Ebnisees
  2. Prescher I, S. 51f
  3. Prescher I, S. 53
  4. Prescher I, S. 53
  5. Prescher I, S. 59f
  6. 6,0 6,1 Auf der TK25 abgemessen.
  7. Siehe bei Literatur

Literatur

Andere Quellen

  • Informationstafel am Schlittenweg

Weblinks

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