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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel „Mutlanger_Heide“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 13. März 2011 [importiert am 21. Mai 2011 (Permanentlink)] und steht unter einer Creative-Commons-Lizenz (CC-BY-SA 3.0). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


Die Mutlanger Heide ist ein relativ kleines Gelände im Ortsgebiet der Gemeinde Mutlangen im östlichen Baden-Württemberg. Überregional bekannt wurde die Mutlanger Heide als Raketenbasis, auf der von 1983 bis 1990 aufgrund des NATO-Doppelbeschlusses nukleare US-Mittelstreckenraketen vom Typ Pershing II stationiert waren, die einer in Schwäbisch Gmünd stationierten Einheit unterstellt waren, die über längere Zeit als 56th Field Artillery Brigade und zuletzt als 56th Field Artillery Command bezeichnet wurde.

Geschichte

Die Mutlanger Heide wurde schon in der Römerzeit militärisch genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände zum Stützpunkt der US Army. Als die Sowjetunion ab Ende der 1970er Jahre neu entwickelte nukleare Mittelstreckenraketen vom Typ SS-20 stationierte, begann im Westen eine heftige Diskussion darüber, ob damit eine Überlegenheit der Sowjets in Europa herbeigeführt werde. Die Nuklearstrategie vom „Gleichgewicht des Schreckens“ führte dazu, dass die NATO im Rahmen des Doppelbeschlusses ebenfalls in dieser Kategorie von Atomwaffen aufrüstete – die sogenannte „Nachrüstung“ des westlichen Bündnisses, verbunden mit einem Verhandlungsangebot an die Sowjetunion. Nur für die Bundesrepublik war eine Stationierung von Mittelstreckenraketen des Typs Pershing II vorgesehen, daneben in weiteren europäischen NATO-Staaten die von Cruise Missile-Marschflugkörpern.

Als die Stationierungsabsichten der NATO bekannt wurden, löste dies heftige Proteste der Friedensbewegung aus. Die Nachrüstungsgegner protestierten deutschlandweit und bildeten so genannte „Friedensketten“. In Mutlangen blockierten Demonstranten immer wieder die Zufahrt zum US-Camp. Im Sommer nahmen an den Demonstrationen auch Prominente teil, wie der SPD-Politiker Oskar Lafontaine, der Schriftsteller Heinrich Böll, der Tübinger Rhetorikprofessor Walter Jens sowie die Ikone der damals noch recht jungen Grünen Partei, Petra Kelly. „Unser Mut wird langen – nicht nur in Mutlangen“, skandierten die Demonstranten damals vor den Toren des Stützpunktes.

Die Pressehütte, ursprünglich eine Scheune, wurde 1983 von der Friedensbewegung als Anlaufstelle für Journalisten genutzt, die über die Prominentenblockade berichten wollten. Mit dem Stationierungsbeginn der nuklearen Mittelstreckenraketen im November 1983 wurde sie Unterkunft für die Mitglieder der „Dauerpräsenz“. Aus der Pressehütte wurde der Militärverkehr zur Mutlanger Heide beobachtet und sie war Anlaufstelle für die nach Mutlangen angereisten Blockierer.

Am 22. November 1983 gab die Bundesregierung unter dem neu gewählten Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) nach einer turbulenten Sitzung grünes Licht für die Stationierung der Raketen an drei Standorten auf dem Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland: in Mutlangen, auf der Waldheide in Heilbronn sowie in Neu-Ulm. Trotz dieser Enttäuschung gingen die Demonstrationen weiter; auch während des ausgesprochen kalten Winters 1983/84 saßen die Atomgegner frierend und dicht aneinander gedrängt vor dem Tor der Basis auf der Mutlanger Heide.

1984 wurde die Pressehütte vom Verein Friedens- und Begegnungsstätte Mutlangen e. V. von den bisherigen Besitzern, einem Mutlanger Ehepaar, erworben.

Die zahlreichen Proteste und zeitweise in die Hunderte gehenden Demonstranten wurden aber in dem kleinen schwäbischen Ort nicht nur freudig empfangen. Zwar waren auch viele Bewohner besorgt über die von den Nuklearwaffen ausgehende Gefahr, doch wurde die plötzlich über den Ort hereinbrechende Medienpräsenz von vielen Mutlangern als Störung der heimatlichen Idylle empfunden. Dazu beigetragen haben dürfte allerdings auch, dass durch die manchmal aufgeheizte Stimmung bei den Demonstranten die Proteste zeitweise recht lautstark verliefen.

1990 schließlich wurden die Pershing II-Raketen, gemäß dem INF-Vertrag zwischen den USA und der Sowjetunion von 1987, aus Mutlangen abgezogen und verschrottet. Die US-Basis wurde aufgelöst und das Gelände an die Gemeinde Mutlangen zurückgegeben.

Diese entschied sich, das Gelände zu einem Wohngebiet umzuwidmen. Die Militäranlagen wurden größtenteils geschleift. Neben Teilen der alten Start-/Landebahn stehen nur noch zwei Depot-Bunker. Sie werden mittlerweile von der Gemeinde als Lager für Streusalz und Altpapier genutzt.

Die Pressehütte wird seit dem Abzug der Pershing-II-Raketen 1991 als Tagungshaus für friedenspolitische Themen benutzt.[1]

Die Mutlanger Heide ist heute ein neu bebautes Wohngebiet. An die wechselhafte Geschichte des Geländes erinnert außer den Bunkeranlagen ein Ende 2007 neu eingerichteter Geschichtspfad.

Literatur

  • Manfred Laduch, Heino Schütte, Reinhard Wagenblast: Mutlanger Heide. Ein Ort macht Geschichte. Remsdruckerei Sigg, Schwäbisch Gmünd 1990.
  • Volker Nick, Volker Scheub, Christof Then (Hrsg.: Pressehütte Mutlangen): Mutlangen 1983–1987: Die Stationierung der Pershing II und die Kampagne Ziviler Ungehorsam bis zur Abrüstung, Windhueter Schorndorf, Stuttgart 1993, 228 Seiten. Dokumentation mit Hintergrundartikeln, Erfahrhrungsberichten, Dokumenten, Prozessprotokollen etc. zur Geschichte der Aktionen der Friedensbewegung in den 1980er Jahren in und um Mutlangen (online abrufbar auf pressehuette.de (zum Bättern im Buch Klick auf „Vorige Seite/Nächste Seite“)

Einzelnachweise

  1. http://www.pressehuette.de/
48.8159.8061111111111

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