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Kleinkastell Freimühle
Limes ORL NN (RLK)
Strecke (RLK) Rätischer Limes,
Strecke 12
Datierung (Belegung) bis spätestens um 260 n. Chr.
Typ Kleinkastell
Größe 53 m × 55 m = 0,29 ha
Bauweise Steinkastell
Erhaltungszustand Umwallung als Bodenerhebung deutlich sichtbar
Ort Schwäbisch Gmünd
Geographische Lage 48° 47′ 30,2″ N, 9° 45′ 47,9″ O48.7917277777789.7633194444444Koordinaten: 48° 47′ 30,2″ N, 9° 45′ 47,9″ O
Rückwärtig Kastell Schirenhof (südwestlich)
Vorgelagert Kleinkastell Kleindeinbach (nordwestlich)
Kleinkastell Hintere Orthalde (nordöstlich)

Das Kleinkastell Freimühle war eine römische Fortifikation des Rätischen Limes, die im Jahre 2005 den Status als UNESCO-Weltkulturerbe erlangte. Das Kleinkastell wurde rund 750 Meter südlich der römischen Reichsgrenze errichtet. Die Reste befinden sich nordwestlich von Schwäbisch Gmünd im Ostalbkreis in Baden-Württemberg.

Lage

Das Kleinkastell Freimühle lag auf einem leicht vorspringenden Sporn des Rotenbachtaler Osthanges in der Waldflur Vogelhau. Von dort aus konnte sowohl das Rotenbachtal als auch ein Abschnitt des Remstals eingesehen werden. Nur 750 Meter nördlich, für ein Kleinkastell jedoch bereits ungewöhnlich weit entfernt, lief die nach West-Ost ausgerichtete, offenbar im Jahre 164 n. Chr.[1] erbaute Palisade des Obergermanischen Limes in das Rotenbachtal hinab. An diesem Hang, rund 90 Meter westlich über dem Rotenbach, begann an der Grenze der römischen Provinzen Germania Superior (Obergermanien) und Raetia (Rätien) der steinerne Abschnitt des Limes, der sich bis zur Donau hinzog. Vom Kleinkastell Freimühle aus konnten sowohl das rund einen Kilometer nordwestlich am Westhang des Rotenbachtales gelegene Kleinkastell Kleindeinbach als auch der über dieser Befestigung stehende Wachturm eingesehen werden. Die dort stationierte Einheit konnte auch einen weiteren Abschnitt des Remstals im Auge behalten.

Forschungsgeschichte

Bis 1902 ließen weder volkstümliche Überlieferung noch Flurnamen auf ein Kastell im Vogelhau schließen. Erst ein orkanartiger Sturm, der mehrere Bäume entwurzelte, brachte Mauerreste zum Vorschein. Der Schwäbisch Gmünder Oberbürgermeister Paul Möhler veranlasste Grabungen, die sehr bald Grundmauerreste eines römischen Gebäudes zutage brachten. Major Heinrich Steimle, Streckenkommissar der Reichs-Limes-Kommission (RLK), untersuchte anschließend Umwehrung und Innenbereich der Anlage und erkannte die Mauerreste als Kastell.[2]

Datei:Rekonstruktion von Limes-Palisade und -Mauer.JPG

Mit der Erhebung des Limes zum Weltkulturerbe 2005 wurde der Wald auf der Kastellfläche gerodet und die Umwallung deutlich sichtbar aufgeworfen. Ausgrabungen fanden nicht statt, jedoch wurde der Platz neu dokumentiert. 2006 weihte Dieter Planck, damals Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg, diese Anlage ein.[3] Unmittelbar unterhalb der antiken Befestigung wurde im Mai 2009 ein Informationspavillon eröffnet. Schautafeln und ein Geländemodell zeigen Freimühle mit dem Limesverlauf an der Provinzgrenze sowie die Lage der nahen rätischen Kastelle Kleindeinbach und Schirenhof. Rund 800 Meter südlich des Limesverlaufes veranschaulicht ein Rekonstruktionsversuch das Zusammentreffen von obergermanischer Palisade mit Wallgraben und rätischer Limesmauer.[4]

Baugeschichte

Die 53 × 55 Meter[5] (= 0,29 ha) umfassende Anlage mit ihrer 1,2 Meter breiten Umfassungsmauer, der ein Spitzgraben vorgelagert war,[6] besaß höchstwahrscheinlich einen in Holzbauweise errichteten Innenausbau. Die Suche nach dieser Bebauung verlief für die RLK jedoch ergebnislos. Das Kastell ist in einer fast identischen Ausrichtung wie das Kohortenkastell Schirenhof auf der gegenüberliegenden Seite der Rems angelegt worden. Im Westen und Osten konnte 1902 je ein einspuriges Tor, flankiert von je zwei Türmen ausgemacht und ein trapezförmiger Eckturm freigelegt werden. Insgesamt hatte die Fortifikation vier Ecktürme.

Man nimmt an, dass das Kleinkastell Freimühle zum Typus von Kleinkastell Haselburg bei Walldürn gehört haben könnte. Aufgrund seiner Lage ist sich die Wissenschaft über die Bedeutung dieser Fortifikation, rund 100 Meter unterhalb des Limes und genau zwischen Kastell Schirenhof und Kleinkastell Kleindeinbach liegend, unklar. Dieter Planck äußerte die Meinung

„… daß dieses Kleinkastell zur Überwachung der hier vermuteten Grenzziehung erbaut worden ist. Vermutlich unterstand die hier stationierte Truppe dem Kastell Schirenhof, mit dem eine direkte Sichtverbindung bestand.“[7]

Vielleicht hatte die in Freimühle lagernde Truppe auch nur sekundär mit der Limesverteidigung zu tun. Südwestlich des Kleinkastells konnten an der Talsohle beim Austritt des Rotenbachs aus dem Rotenbachtal bei Straßen- und Bahnbrückenbauarbeiten römische Siedlungsreste und Gräber aufgedeckt werden. Dies deutet vielleicht auf die eventuelle Selbständigkeit einer hier längerfristig lagernden Einheit hin. Es wurde daher vermutet, dass das Kleinkastell Freimühle vielleicht Stützpunkt der römischen Straßenpolizei gewesen ist, welche die Fernstraße im Remstal zu überwachen hatte, die nahe der Mündung des Rotenbachs in die Rems auch die Grenze zwischen den Provinzen Germania Superior und Raetia überwandt.

Das Grenzgebiet von Germania Superior und Raetia ist im Limesbereich ungewöhnlich dicht mit römischen Militärstützpunkten belegt. Auch die Nähe der Kohortenkastelle Lorch am Rand der Provinz Germania Superior und Schirenhof in Raetia scheinen diesen Eindruck zu bestätigen. Vielleicht wird hier ein gewisses eigenständiges Handeln der für die Provinzverwaltung Verantwortlichen sichtbar. Besonders der nur in Rätien durchgeführte Ausbau der Reichsgrenze in Stein könnte hierfür ein Beleg sein.

Kastellbad

Rund 50 Meter südwestlich der kleinen Befestigung wurde ein kleines Kastellbad entdeckt, das sich heute als schwache Bodenunebenheit in der Landschaft abzeichnet. Der Nachweis einer solchen Therme zeigt, dass auch bei diesen kleinen Anlagen mit einer bemerkenswert ausgebauten Infrastruktur gerechnet werden kann.

Denkmalschutz

Das Kleinkastell Freimühle und die erwähnten Bodendenkmale sind als Abschnitt des Obergermanisch-Rätischen Limes seit 2005 Teil des UNESCO-Welterbes. Außerdem sind die Anlagen Kulturdenkmale nach dem Denkmalschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg (DSchG). Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde an die Denkmalbehörden zu melden.

Siehe auch

Literatur

  • Christian Fleer: Typisierung und Funktion der Kleinbauten am Limes. In: E. Schallmayer (Hrsg.): Limes Imperii Romani. Beiträge zum Fachkolloquium „Weltkulturerbe Limes“ November 2001 in Lich-Arnsburg. Bad Homburg v.d.H. 2004, ISBN 3-931267-05-9 S. 75–92 (Saalburg-Schriften 6).
  • Dieter Planck, Willi Beck: Der Limes in Südwestdeutschland. 2. völlig neubearbeitete Auflage, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0496-9.
  • Andreas Thiel: Vor- und Frühgeschichte, S. 15 in Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg. Stadt Schwäbisch Gmünd, Band I: Stadtgeschichte, Stadtbefestigung, Heiligkreuzmünster. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 2003, ISBN 3-422-06381-1

Einzelnachweise

  1. Bernd Becker: Fällungsdaten Römischer Bauhölzer anhand einer 2350jährigen Süddeutschen Eichen-Jahrringchronologie in Fundberichte aus Baden Württemberg Band 6, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 380621252X, S. 369–386.
  2. Georg Stütz: Heimatbuch für Gmünd und weitere Umgebung. II. Band: Wanderungen in der Heimat, Schwäbisch Gmünd 1924, S. 74f.
  3. Im Streitwagen den Limes erobern. In: Gmünder Tagespost vom 8. Mai 2006.
  4. Manfred Laduch: Einmalig auf der gesamten Limes-Strecke. In: Rems-Zeitung vom 18. Mai 2009.
  5. Andreas Thiel, Vor- und Frühgeschichte in Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg. Stadt Schwäbisch Gmünd, Band I: Stadtbaugeschichte, Stadtbefestigung, Heiligkreuzmünster, Deutscher Kunstverlag 2003, ISBN 3-422-06381-1). S. 14.
  6. Hans Ulrich Nuber: Schwäbisch Gmünd in frühgeschichtlicher Zeit. In: Geschichte der Stadt Schwäbisch Gmünd. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1984, ISBN 3-8062-0399-7, S. 32.
  7. Dieter Planck, Willi Beck: Der Limes in Südwestdeutschland. 2. völlig neubearbeitete Auflage, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0496-9, S. 108.

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