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Die Buchhandlung Stiegele, Christiane Stiegele-Feifel e.K. ist ein Einzelhandelsgeschäft in Schwäbisch Gmünd, die sich in ihrer Tradition auf eine Firmengeschichte bis 1793 beruft.

Daten

Geschichte

Der Buchhandel in der Reichsstadt läßt sich bis auf das Jahr 1730 zurück verfolgen, da die dort ansässigen Buchdrucker sich ebenfalls mit dem Buchhandel befaßten. Eine eigenständige Buchhandlung hingegen wird erstmals in der Nummer 10 der „Reichstadt Gmündischen Nachrichten“ vom 2. Februar 1793 genannt. Der Buchdrucker Johann Georg Ritter bewarb darin eine Reihe von religiösen Erbauungsschriften. Der Gmünder Chronist Dominikus Debler bezeichnet Ritter daher als den ersten Buchhändler in Schwäbisch Gmünd.


Ritter wanderte 1824 nach Nordamerika aus. Von ihm übernahm I.W.G.Stahl aus Reutlingen seine verschiedenen Betriebe, das weitere Schicksal der Firma ist recht wechselhaft. Vorübergehend wurde das Geschäft durch die Gebrüder Raasch und die Herren Buck und Dilenius geführt und kam 1842 in Josef Keller's Besitz, der sich auch als Herausgeber und Drucker des "Gmünder Boten vom Remstal" rasch einen Namen machte.


Schon 1845 überließ Keller, durch Zeitungsbetrieb und Akzidenzarbeit stark in Anspruch genommen, die gutgehende Buchhandlung mit Leihbücherei seinem Prokuristen Georg Schmid, der 1864 das Gebäude Johannisplatz 10 (heute Café Margit) erwarb und dort die Buchhandlung ansiedelte.

Schmid brachte das Geschäft zu hoher Blüte. Als jedoch 1875 sein einziger Sohn starb, verkaufte er seine Buch-, Musikalien- und Schreibwarenhandlung an den Buchhändler Friedrich Manz aus Wien (Volksfreund 1877, Nummer 2). Vierzehn Jahre später ging die Buchhandlung in Konkurs. Aus der Konkursmasse wurde sie von Josef Roth erworben und am 24.09.1887 neu eröffnet. Ihm gelang es, das Unternehmen hald wieder auf die alte Höhe zu bringen.

Trotzdem verkaufte er es schon am 1. Februar 1892 an Hermann Odenwald aus Kassel und Josef G. Lautenschlager aus Waldenhof in Bayern. Lautenschlager schied 1899 aus der Firma aus.


Der nunmehrige Alleininhaber verlegte 1900 die Buchhandlung vom Johannisplatz 10 auf den Marktplatz 34. Als er kurz vor Ende des 1. Weltkriegs fiel, ging das Geschäft auf seine Witwe Else Odenwald über. Sie heiratete den bekannten Arzt Dr. med. Rohert Veher.


Von ihr erwarb Erich Stiegele, gelernter und ausgebildeter Buchhändler, das alteingesessene Geschäft. An einen Umbau oder Vergrößerung der Buchhandlung war unter den damaligen schwierigen Wirtschaftsverhältnissen nicht zu denken. Da außer der "Jos. Roth'schen, vormals G. Schmid'schen Buchhandlung, Inhaber Erich Stiegele' - wie das Geschäft seinerzeit firmierte - noch zwei weitere Buchhandlungen bestanden, waren die Umsätze am Ende der 20er Jahre und zu Beginn der wirtschaftlich schwierigen 30er Jahre sehr mager. Das Lesebedürfnis der damaligen Gmünder Bürger, das sich wie seinerzeit üblich, auf wenige bekannte Spitzentitel und Unterhaltungsliteratur beschränkte, wurde - nicht zuletzt aus finanziellcn Gründen, durch Leihbibliotheken, Pfarrbüchereien und Lesezimmern der Museumsgesellschaft befriedigt.

Das Lesen von Büchern galt damals für weite Kreise als eine unnütze, verzichtbare Freizeitbeschäftigung.

Bis nach dem 2. Weltkrieg extistierten auch kaum Bücher zu politischen oder geschichtlichen Themen, Hobbies oder Freizeitbeschäftigungen in der uns heute selbstverständlichen Vielfalt. Deshalb fehlte in den Buchhandlungen der Stadt das Sach- und Fachbuch gänzlich. Lediglich die Soldaten der Gmünder Garnison deckten ihren spärlichen Bedarf an Dienstvorschriften in den hiesigen Buchhandlungen. Auch die heimische Gold- und Silberindustrie, die wirtschaftlich sehr zu kämpfen hatte - bis 1938 war Schwäbisch Gmünd Notstandsgebiet -, brauchte für ihre nicht vorhandenen Entwicklungs- und Verkaufsabteilungen keine Bücher.

So blieb die Buchhandlung Stiegele ein reiner Familienbetrieb mit nur einem oder höchstens zwei Angestellten. Während des 2. Weltkrieges, in dem Bücher wesentlich zur Verbreitung nationalsozialistischen Gedankengutes mißbraucht und nach irgendwelchen undurchsichtigen Schlüsseln von den Verlagen Jahr zu Jahr spärlicher zugeteilt wurden, führte Frau Elisaheth Stiegele die Buchhandlung weiter, weil ihr Mann noch vor Beginn der Feindseligkeiten zur Luftwaffe einberufen wurde.


Nach seiner Rückkehr wurde ihm am 23.07.1945 die Genehmigung für den weiteren Handel mit Büchern von der damaligen Militärregierung erteilt.

Nach Jahren amerikanischer Kriegsgefangenschaft und nachgeholtem Abitur, trat sein Sohn Gerhard Stiegele als Lehrling in die Buchhandlung ein. Dank des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwunges enwies sich der Verkaufsraum im Hause Marktplatz 34 trotz der vorzüglichen Lage im Zentrum der Stadt bald als zu klein. Eine Erweiterung und die Gewinnung von Nebenrämen war aus mehreren Gründen nicht möglich. Deshalb wurde die Buchhandlung zum 30.05.1962 in den Neubau Ledergasse 14, heute Landesgirokasse, verlegt.

In diesen großzügigen Räumen mit vielen Schaufenstern war es nun auch möglich, das von Erich Stiegele schon vor dem 2. Weltkrieg in bescheidenem Umfang nebenher betriebene Reisebüro zweckmäßig zu etablieren.

Bis zu seinem Tod im Februar 1969 führte Erich Stiegele gemeinsam mit Ehefrau und Sohn die Buchhandlung.

Durch den Verkauf des Hauses Ledergasse 14 mußte wiederum ein neuer Standort gesucht werden. Der erste Bauabschnitt der Altstadtsanierung "Mühlbergle" eröffnete die Möglichkeit zu einer abermaligen Vergrößerung der Verkaufsfläche und Schaffung zusätzlicher Räume.

Die neue Lage und das nochmals ausgedehnte Sortiment wirkte sich auch wirtschaftlich günstig aus.


Am 1. Januar 1994 wurde das Geschäft und die Firma von der zuvor im Unternehmen mitarbeitenden Tochter Gerhards, Christiane Stiegele-Feifel, übernommen und damit in der dritten Generation Stiegele weitergeführt.

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